Person mit Haustier und Smartphone auf dem Bett Sam Lion

Die Customer Journey in der Tierarztpraxis: Von der ersten Suchanfrage bis zur treuen Stammkundschaft

11. Februar 2025 | von COCO | Kommunikation & Marketing

Bevor eine Tierbesitzerin zum ersten Mal Ihre Praxis betritt, hat sie bereits eine Reise hinter sich. Sie hat gegoogelt, Bewertungen gelesen, vielleicht Ihr Instagram-Profil besucht, Ihre Website auf ihr Smartphone geladen und dabei blitzschnell entschieden, ob sie Ihnen vertraut oder weiterschaut. Diese Reise – vom allerersten Kontaktpunkt bis zur langfristigen Treue – nennt man Customer Journey. Wer sie kennt und versteht, kann an jeder Station aktiv Einfluss nehmen.

Das Besondere: Die Customer Journey beginnt lange, bevor ein Tier die Praxis betritt. Und sie endet – idealerweise – nie, weil zufriedene Kund:innen immer wieder kommen und Ihre Praxis aktiv weiterempfehlen.

 

Phase 1 – Awareness: Die erste Wahrnehmung

In dieser Phase wird jemand überhaupt erst auf Sie aufmerksam. Das geschieht durch eine Google-Suche nach „Tierarzt [Ort]", durch einen Beitrag in einer lokalen Facebook-Gruppe, durch einen Instagram-Post, der geteilt wird, oder durch eine Empfehlung einer Freundin.

Was zählt: Sichtbarkeit. Wenn Sie in diesem Moment nicht auffindbar sind, gibt es für diese Person keine Chance, Sie zu entdecken. Deshalb ist ein vollständig ausgefülltes Google-Unternehmensprofil keine optionale Maßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung. Dasselbe gilt für Ihren Namen auf Bewertungsplattformen wie Jameda.

Praxistipp: Ergoogeln Sie sich selbst. Geben Sie „Tierarzt " ein und schauen Sie, ob und wo Sie erscheinen. Was ist der erste Eindruck, den jemand von Ihrer Praxis gewinnt?

 

Phase 2 – Consideration: Die Abwägung

Wer Sie gefunden hat, prüft Sie nun. Diese Phase ist entscheidend – und sie findet fast vollständig online statt. Die Interessentin liest Google-Bewertungen, schaut sich Fotos an, besucht Ihre Website und vergleicht Sie mit der Praxis in der Nachbarstraße.

Was überzeugt in dieser Phase? Echte Fotos Ihres Teams und Ihrer Praxisräume, nicht Stockbilder. Aussagekräftige Bewertungen, auf die Sie freundlich geantwortet haben – auch auf kritische. Eine Website, die klar kommuniziert, welche Tierarten Sie behandeln, was Ihre Spezialgebiete sind und wie man einen Termin bekommt.

Was abschreckt: Veraltete Informationen, ein leeres Google-Profil, kein Foto vom Team, eine Website, die auf dem Smartphone nicht lesbar ist oder Ladezeiten, die in die Länge gehen.

 

Phase 3 – Decision: Die Entscheidung

Die Tierbesitzerin hat sich entschieden: Sie möchte Ihre Praxis kontaktieren. Jetzt muss dieser Schritt so reibungslos wie möglich sein. Ist Ihre Telefonnummer direkt auf der Website sichtbar? Gibt es eine Möglichkeit, online einen Termin zu buchen? Antwortet jemand schnell auf eine Anfrage per E-Mail oder Kontaktformular?

Jede Hürde in diesem Moment kann die Entscheidung kippen. Für Tierarztpraxen bedeutet das: Der Weg zur Terminbuchung sollte maximal zwei Klicks oder einen Anruf entfernt sein.

Praxistipp: Bitten Sie jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis, als „neue Kundin" auf Ihrer Website zu navigieren und einen Termin zu buchen. Beobachten Sie, wo Unsicherheit oder Frustration entsteht – genau dort liegt Verbesserungspotenzial.

 

Phase 4 – Experience: Das Erlebnis in der Praxis

Die digitale Customer Journey endet nicht an der Praxistür – sie wird dort fortgesetzt. Das Erlebnis beim ersten Besuch prägt maßgeblich, ob jemand wiederkommt: der Empfang, die Wartezeit, die Aufmerksamkeit für das Tier, die Verständlichkeit der Erklärungen, das Ambiente der Räume.

Digitale Ergänzungen für diesen Touchpoint: QR-Codes im Wartezimmer, die zu weiterführenden Informationen führen; ein Bildschirm mit saisonalen Gesundheitstipps; die Möglichkeit, sich noch vor Ort für den Newsletter anzumelden.

 

Phase 5 – Retention: Bindung nach dem Besuch

Eine einzelne positive Erfahrung macht noch keine treue Stammkundin. Bindung entsteht durch konsequente Nachsorge und regelmäßige Kontaktpunkte. Impferinnerungen per E-Mail, ein monatlicher Newsletter mit nützlichen Gesundheitstipps, eine freundliche Nachfrage nach dem Wohlbefinden des Tieres nach einer Operation – das sind kleine Gesten mit großer Wirkung.

Digitale Werkzeuge können diese Nachsorge automatisieren. Viele Praxismanagementsysteme ermöglichen automatische Erinnerungen. Newsletter-Tools senden automatisch saisonale Tipps. So bleiben Sie präsent, ohne jeden einzelnen Kontakt manuell koordinieren zu müssen.

 

Phase 6 – Advocacy: Die Empfehlung

Zufriedene Kund:innen, die Sie weiterempfehlen, sind das wertvollste Marketinginstrument, das es gibt. Bitten Sie am Ende eines Besuchs – oder per Nachfass-E-Mail – freundlich um eine Bewertung auf Google oder Jameda. Machen Sie es so einfach wie möglich: ein QR-Code auf der Visitenkarte, ein kurzer Link in der E-Mail.

Menschen teilen Erfahrungen, die sie bewegen. Außergewöhnliche Fürsorge, ein besonderer Moment mit dem Tier, eine Tierärztin, die sich wirklich Zeit nimmt – diese Geschichten werden weitererzählt. Geben Sie Ihren Kund:innen Gründe zu erzählen.

 

Wie Sie die Schwachstellen Ihrer Journey identifizieren

Analysieren Sie Ihre Customer Journey anhand konkreter Fragen:

  • Finden neue Kund:innen Sie überhaupt? → Awareness prüfen
  • Überzeugt Ihr Online-Auftritt beim ersten Besuch? → Consideration prüfen
  • Ist die Terminbuchung unkompliziert? → Decision prüfen
  • Kommen Kund:innen nach dem ersten Besuch wieder? → Retention prüfen
  • Empfehlen Sie Kund:innen weiter? → Advocacy prüfen

Jede Schwachstelle ist eine konkrete Verbesserungsmöglichkeit. Beginnen Sie mit der Phase, in der der größte Handlungsbedarf besteht – und arbeiten Sie sich schrittweise durch.
 

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